Konzept für die unter Dreijährigen

Ziele

Mit dem Wechsel von der individuellen familiären Betreuung und Erziehung durch exklusive Bindungspersonen in die erste Stufe institutioneller Erziehung ist der Wechsel zu fremden erwachsenen Bezugs- und Betreuungspersonen und der sozialen Gruppe der Gleichaltrigen verbunden.

Oft trennen sich die Zweijährigen mit Eintritt in die KiTa das erste Mal von den Eltern/Bindungspersonen.

Die besondere Gestaltung der Eingewöhnungsphase, die Differenzierung der Tagesstruktur und der pädagogischen Arbeit sind logische Konsequenzen der Entwicklungsbesonderheiten/ -anforderungen und -ziele der Zweijährigen.

Ein Höchstmaß an individueller Zuwendung, Aufmerksamkeit, Beziehungs-kontinuität, Verständlichkeit, Verlässlichkeit von Strukturen und Regeln, ein altersentsprechendes Maß bzw. der regelmäßige Wechsel von Anspannung und Entspannung, vor allem aber, das „schöne Spielen“, allein oder mit FreundInnen, ohne Angst, mit Zuversicht und Freude am und auf den nächsten Tag sind notwendige und angemessene Rahmenbedingen dafür.

Achtsamkeit, Erhaltung, Unterstützung der körperlichen Reifung, Gesundheit und Bildung der Zweijährigen stellen eigenständige und wichtige Ziele des Betreuungskonzepts dar.

Nur wenn die Ziele erreicht werden, kann die die Integration in die große Gruppe der Drei-bis Sechsjährigen gelingen, die individuelle körperliche, seelische und geistige Entwicklung der Kinder altersgemäß bzw. ohne daraus resultierende Störungen gelingen.

 

Gestaltung der Eingewöhnung

In den ersten Monaten ist es besonders wichtig, dass die Kinder sich gut einleben, sich gut auf- und angenommen fühlen, dass tragfähige, gute Erwachsenen – Kind und Kind – Kind – Beziehungen aufgebaut und die Tagesstruktur der Einrichtung verinnerlicht wird.

Die Eingewöhnung beginnt mit Informationen für die Eltern, damit sie den Kindern bereits einige Zeit vorher vom Kindergarten erzählen können. Die Eltern lernen noch vor der Aufnahme des Kindes die Einrichtung kennen, sie werden in den Betreuungsvertrag, das Konzept und die Organisation des KiTa – Alltags eingeführt.

Bevor das Kind aufgenommen wird, folgen gestaffelt drei Besuchsvormittage mit je zwei Stunden mit je einem Elternteil.

Mit dem Tag der Aufnahme beginnt die Eingewöhnung, die für jedes Kind individuell geplant und umgesetzt wird.
Die Verabschiedung des Elternteils vom Kind und die Übergabe an die Erzieherinnen der Kleingruppe erfolgt mit individuellem Ritual nach und nach immer kürzer/schneller. Das Elternteil hält sich während dieser Phase bedarfsgemäß zur früheren Abholung bereit.

Wichtig ist, dass der Trennungsschmerz so gering wie möglich gehalten und die Zuversicht, das sichere Gefühl, beim Kind, immer wieder abgeholt zu werden, so intensiv wie möglich gestärkt wird. Beim Finden und der Auswahl der Rituale werden die Eltern/Elternteile unterstützt (das eigene Kuscheltier, ein „Schmusetuch“ von der Mutter, ein Foto, ein Spielzeug,…). Die Kleingruppe erleichtert das Einleben/Einfügen in eine/die Gruppenstruktur und die Verinnerlichung einer neuen, der institutionellen Tagesstruktur.

Der strukturierte Tagesablauf, die exklusiven Bezugspersonen bieten Kontinuität und Verlässlichkeit, die vertraute Raumgestaltung unterstützt das Gefühl der Vertrautheit und Sicherheit, erleichtert die Orientierung.

Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Ehrlichkeit, die das Vertrauen des Kindes stärken, wird von den Eltern erwartet und ist ihr entscheidender Anteil am Gelingen der Eingewöhnung!

Der Prozess der Eingewöhnung wird regelmäßig im Tür- und Angelgespräch und abschließend im ersten Entwicklungsgespräch mit den Eltern/dem Elternteil reflektiert.

Der Prozess der Eingewöhnung bezieht sich auch auf den Umfang/die Zeit der institutionellen Betreuung. Ebenso wie für die Gewöhnung an fremde, erwachsene Bezugs-/und Betreuungspersonen und die Gleichaltrigengruppe gilt für die Dauer des Aufenthalts in der Einrichtung ein langsames, schrittweises Heranführen bei genauer Beobachtung der individuellen Leistbarkeit durch das Kind bzw. der Belastbarkeit des Kindes.

Die Betreuungszeit kann nicht vom ersten Tage an ausgeschöpft werden, ist sukzessiv auszuweiten, sollte aber bei einem pädagogisch sensiblen Herangehen bis zum Beginn des dritten Lebensjahres erreicht werden können.

 

Tagesstruktur/Gestaltung der Essens- und Schlafenszeit

  • 7.00 – 8.00 Uhr Ankommen in der Kleingruppe
  • 8:00 – 8.30 Uhr Gemeinsames Frühstück
  • 8:30 – 9.00 Uhr Hygieneversorgung
  • 9:00 -10.45 Uhr Freispiel/angeleitete Beschäftigung/Spaziergang/-fahrt/Bewegung an der frischen Luft in der Kleingruppe
  • 10:45 – 11.00 Uhr Hygieneversorgung
  • 11.00 – 11.30 Uhr Gemeinsames Mittagessen
  • 11:30 – 11.45 Uhr Hygieneversorgung
  • 11:45 – 13.45 Uhr Schlafenszeit
  • 13.45 – 14.00 Uhr Hygieneversorgung
  • 14.00 – 14.30 Uhr kleine Vesper/Energiesnack
  • 14:30 – 16.00 Uhr Freispiel/angeleitete Beschäftigung/Bewegung an der frischen Luft spielen in der Kleingruppe
  • 14.00 – 15.00 Uhr (bis 35 Stunden Blocköffnungszeit)
  • 16.00 – 17.00 Uhr (bis 45 Stunden Betreuungszeit)

 

Mit der gemeinsamen Frühstücksmahlzeit beginnt der Tag. Das Frühstück wird aus der Brotdose auf den Teller gelegt. Altersgemäße/kindgerechte Getränke werden bereitgestellt und ausgereicht. Getränke sollen die Kinder nicht mit in die Einrichtung bringen.

Die Eltern werden beraten und angehalten, den Kindern ein gesundes, gut portioniertes (nicht zu viel und nicht zu wenig) und gut einnehmbares Frühstück mitzugeben.

Die Mittagsmahlzeit wird am eingedeckten Tisch eingenommen und mit einem Tischspruch eröffnet. Die Teller der Kinder werden von der Erzieherin gefüllt bzw. das Essen wird für die Kinder aufgelegt. Dabei gilt die Regel, lieber noch einmal nachzulegen als zu viel aufzutun. Alles wird zumindest probiert, gegessen werden muss nicht alles und auch nicht alles aufgegessen. Die Kinder können mit Hilfe selbst essen bzw. bekommen ausreichend und individuell Anleitung und Unterstützung, selbst, wenn es am Anfang noch das gelegentliche Füttern ist.

Zum Vesper gibt es Quark, Obst, Kuchen, Marmeladenbrot. Diese Mahlzeit wird wie die Mittagsmahlzeit an einem schön gedeckten Tisch gemeinsam eingenommen.

Der Schlafraum ist bereits vorbereitet, je nach Jahreszeit gelüftet, gewärmt. Das Aus- oder Umziehen eines Kleidungsstücks ist das Signal für den Beginn oder das Ende der Schlafenszeit. Die Erzieherin bekräftigt/verstärkt dies durch das liebevolle Zudecken /Einpacken/ Einkuscheln jedes Kindes. Ein Schlaflied der Erzieherin, vom Band oder das Spiel einer Spieluhr „läuten“ den Schlaf der Kinder ein, der von einer Erzieherin sorgsam bewacht wird.

Das Aufstehen gelingt mit individueller Ansprache und ausreichend Zeit zum richtig Wachwerden.

Nach und vor den Mahlzeiten gibt es Zeit für die pflicht- (Toilettengang, Hände waschen, Zähne putzen ) und bedarfsgemäße individuelle Hygieneversorgung durch die Erzieherin (Schlaf aus den Augen, Haare kämmen bürsten, Windelwechsel, ein bisschen Creme…).

 

Differenzierung der pädagogischen Arbeit für Zweijährige

Die pädagogische Arbeit mit den Zweijährigen wird idealtypisch ausschließlich in der Kleingruppe realisiert.

Der vornehmliche Blick auf die Gleichaltrigengruppe ermöglicht den Pädagoginnen die Schaffung von Aufgaben-/Anforderungs-/Entwicklungssituationen, an denen alle Kinder geistig, seelisch und körperlich „wachsen“ können. Das trifft auch für die pädagogische Gestaltung des Lebens in der Gruppe, das soziale Miteinander der Kinder, die „Aushandlung“ von Verhaltens- und Problem-lösungsstrategien und die gegenseitige Rücksichtnahme unter- und aufeinander zu. Der Übergang in die Großgruppe ist durch diesen alters- /bedürfnissensiblen pädagogischen Umgang bei ständigem Blick auf die Gleichaltrigengruppe mit dem Beginn des dritten Lebensjahres gesichert und u.U. auch früher möglich.

Körperliches und psychisches Wohlbefinden wie essen, trinken, Wechsel von An- und Entspannung, „schön spielen“, sich bewegen, den Körper erfahren, stehen im Vordergrund bei den Zweijährigen. Das kindliche Spiel in all seinen Formen, das bedürfnisorientierte individuelle Spiel, die Anleitung/Führung von individuellen und gemeinschaftlichen Spielformen/-arten, der gezielte und angeleitete Umgang mit Material und Spielzeug sind die hauptsächlichen Zugänge zur Förderung der kindlichen Entwicklung im Rahmen institutioneller Betreuung. Gleichzeitig, auch und gerade unter Einrichtungsbedingungen muss das Kind, das Spielen als „schön“, sich darin unterstützt, durch die Vielzahl der Möglichkeiten bereichert und durch die Anwesenheit vieler, anderer Kinder nicht gestört fühlen.

Alters-/entwicklungsgemäß sind

  • Körperwahrnehmung,
  • körperliche Bewegung draußen und drinnen,
  • Entwicklung und Ausformung von Motorik und Koordination sind ebenso wie
  • Sprach- und Sprechentwicklung

zentrale Themen, die pädagogisch „angesprochen“ und methodisch umgesetzt werden (Bewegungs-, Kreis- und Fingerspiele und Spiele zur Sinnes- und Wahrnehmungsförderung, begleitendes Sprechen in der spielerischen Aktivität, Vorlesen, Bilderbuchbetrachtung, hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Natur- und Sachbegegnung).

Die Anregung/Anleitung zu kreativer/künstlerischer Betätigung (wie Malen, Formen, Kneten, Reißen, Schneiden, Kleben mit unterschiedlichen Materialien) wird regelmäßig angeboten.

Zur Ergebnis-/ Erfolgssicherung wird hier, wenn möglich, die Binnendifferenzierung eingesetzt.

Das kindliche Spiel in all seinen Formen, das bedürfnisorientierte individuelle Spiel, die Anleitung/Führung von individuellen und gemeinsamen Spielformen/-arten, der gezielte und angeleitete Umgang mit Material und Spielzeug sind die hauptsächlichen Zugänge zur Förderung der kindlichen Entwicklung im Rahmen institutioneller Betreuung. Auch und gerade unter Einrichtungsbedingungen muss das Kind das Spielen (neu) lernen, die pädagogische Führung des Spiels als angenehm, bereichernd und die Anwesenheit vieler anderer Kinder nicht als störend empfinden.

Die Raumgestaltung im Sinne vorbereiteter Umgebung (nach M. Montessori) setzt unwillkürlich Impulse zum Spielen (Bau- und Konstruktionsspiele, Spiel mit Puppen, dem Puppenhaus und -bett, dem Bauernhof, Haus- und Zootieren, Kran und Feuerwehr u.a.m).

Der Übergang in die Großgruppe ist durch diesen alters-/bedürfnissensiblen pädagogischen Umgang bei ständigem Blick auf die Gleichaltrigengruppe mit dem Beginn des dritten Lebensjahres gesichert und u.U. auch früher möglich.

Die Bildungsdokumentation erfolgt regelmäßig mit Fotos und in Form von Lerngeschichten.

 


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